Home_banner800schmal1
C124banner

Diese Gründe waren wohl ausschlaggebend dafür, daß Neuhierl 1966 eine Serie von Bausätzen populärer Rennfahrzeuge im Maßstab 1:24 auf den Markt brachte. Diese Bausätze wurden komplett mit allen benötigten Teilen in einem ansprechenden Karton, auf dem neben dem inzwischen sehr bekannten “Carrera”-Schriftzug nun auch groß “1:24” zu lesen war, an die Händler ausgeliefert. Die Deckel dieser Kartons waren aufklappbar und gaben den Blick auf die sorgfältig sortierten Einzelteile des Modellrenners frei. Zusätzlich gab es auf der Innenseite des Deckels noch ein großformatiges Foto des jeweiligen Vorbildfahrzeuges.

 

bausaetze02

Abbildung aus dem Carrera-Katalog 1967: Die frühen Bausatzkartons, im Vordergrund das Muster des nie erschienenen Ferrari 330P4

Mercedes Silberpfeil, Ferrari Dino, Porsche Carrera 6, Chaparral, Lotus 40 und Ford GT40 waren die Modelle, die es nun erstmals im Maßstab 1:24 von Carrera zu kaufen gab. Entsprechend der Maxime, den Schwerpunkt der Fahrzeuge möglichst tief zu legen, um höhere Kurvengeschwindigkeiten zu realisieren, waren die Karosserien der Modelle aus Lexan gefertigt, einem sehr leichten und flexiblen Kunststoff. Einzige Ausnahme war der Porsche Carrera 6, der aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen mit einer gespritzten Hartkunststoffkarosse ausgeliefert wurde und von daher im Vergleich zu den anderen Modellen weniger konkurrenzfähig war, was die Fahrleistungen anging. Unter optischen Gesichtspunkten war diese Tatsache allerdings eher vorteilhaft, da der Spritzguß doch ein detaillierteres Modell zuließ, als das bei den Lexanmodellen der Fall war.

bausaetze06

Die Carrera-Bausätze in 1:24 im Katalog 1967: Der Mercedes Silberpfeil ist nicht abgebildet, dafür wieder ein Muster des Ferrari  330P4

Die Carrera-Bausätze mit ihrem Wannenchassis ließen vielfältige Einbau- und Verstellmöglichkeiten von Motor, Achsen, Ritzeln usw. zu und entsprachen damit dem damals sehr wichtigen Faktor der “Frisierfähigkeit” der Modelle. Eine ausführliche bebilderte Bauanleitung ließ im Prinzip keine Fragen offen, was den Zusammenbau der Modellrennwagen anging. Carrera-Bausatzmodelle im Maßstab 1:24 wurden schon bald erfolgreich in verschiedenen Rennserien eingesetzt.

Offensichtlich hatten aber nicht nur die “Profis”, sondern auch “Otto Normalheimrennbahnfahrer” Gefallen an den großen und eindrucksvollen Carrera-Modellen gefunden. Nur die dazu passenden Rennstrecken konnte Carrera noch nicht liefern. Zwar beeilte man sich seitens des Herstellers zu betonen, daß die großen Modelle im Maßstab 1:24 auch auf “Heimbahnen Universal... jetzt auch mit Randstreifen” (Zitat aus einem Prospekt des Jahres 1967) fahren konnten, doch richtig zufriedenstellend war das nicht. Zum einen mußte die Bahn mittels eines gesondert erhältlichen Anschlußstücks auf 2-Leiter-Betrieb umgestellt werden, zum anderen waren die Abmessungen der Schienen trotz der angepriesenen Randstreifen für die großen Modelle auch etwas knapp.

Die Folge war, daß im Jahre 1967 ein neues Schienensystem aus der Taufe gehoben wurde. Die neuen, knapp 20cm breiten Schienen waren nunmehr im 2-Leiter-System ausgeführt und beeindruckten durch ihre langen Verbindungszapfen, die die Strecken besonders verwindungsfähig machen sollten, sowie Stromleiter aus Edelstahl, die absolut rostfrei waren und somit auch einen Aufbau im Freien erlaubten. Von Beginn an wurden zwei Kurvenradien, jeweils Flach- und auch Steilkurve, angeboten, so daß auch vierspurige Strecken gebaut werden konnten. Ab 1970 kam mit der “Kurve 3” bzw. der “Steilkurve 3” ein dritter Radius hinzu, der den Ausbau auf 6-spurige Rennbahnen ermöglichte.

Zu den neuen Schienen gab es natürlich auch Grundpackungen, sechs neue Fertigmodelle und einen entsprechenden stärkeren Transformator. Wie zügig hier ein komplettes System angeboten werden sollte, zeigt sich auch an der Tatsache, daß für die ersten Fertigmodelle noch gar kein neues Chassis fertig konstruiert worden war. Die ersten in den Grundpackungen angebotenen Modelle Porsche Carrera 6 und Ferrari Dino (im Gegensatz zum Bausatz-Dino aus Lexan aber ebenfalls mit einer im Spritzgußverfahren hergestellten Karosserie ausgestattet) verfügten noch über das Chassis der Bausätze, wobei die Felgen bei diesen frühen Modellen im Gegensatz zu den “echten” Bausatzfahrzeugen jedoch nicht geschraubt, sondern fest auf die Achsen gepreßt wurden. Kurze Zeit später wurden jedoch auch diese Modelle mit dem Standardchassis, welches viele Jahre lang für die allermeisten Karosserietypen verwendet wurde, ausgeliefert.

c6rennchassis

Eines der frühen Fertigmodelle (hier Porsche Carrera 6), welches noch mit Rennchassis, aber mit auf die Achsen gepreßten Felgen ausgestattet war. Die”echten” Bausatzfahrzeuge verfügten über Gewindeachsen und schraubbare Felgen Bei dem Motor handelt es sich um einen japanischen Mabuchi 36D;  in den späteren Fertigmodellen wurden Bühler-Motoren eingesetzt.

Die bereits im Jahr zuvor eingeführten Bausatzmodelle blieben natürlich erhalten, wobei der Mercedes Silberpfeil allerdings aus dem Programm genommen wurde, aber mit dem  McLaren M6A als neuem Spitzenmodell (“Carrera Bausatzmodell in Rennausführung”) mit noch einmal gesteigerten Tuningmöglichkeiten und noch leistungsfähigerem Motor  die Reihe der Bausätze weiter ergänzt wurde.

Diese Rolle des Topmodells innerhalb der Bausatzreihe war zunächst einer Nachbildung des Ferrari 330 P4 zugedacht und so im ersten Katalog auch abgebildet; dieses Modell ist jedoch anscheinend nie über den Status eines Katalogmusters hinausgekommen, da alle heute bekannten Modelle des 330 P4 der damaligen Zeit von anderen Herstellern und nicht von Carrera produziert worden sind.

Unverständlich bleibt bis heute, warum das sehr schön gemachte Modell des Mercedes Silberpfeil (W196) nur so kurz angeboten wurde. Dieser Umstand bedeutet aus heutiger Sicht natürlich, daß von diesem Modell nur wenige Exemplare übrig geblieben sind, da ja die Produktionsstückzahl schon deutlich geringer war, als bei den anderen Typen. Silberpfeile gehören deshalb zu den gesuchtesten Modellen der 1:24er Reihe überhaupt und erzielen selbst in beschädigtem Zustand sehr hohe Preise auf einschlägigen Börsen. Man kann nur spekulieren, daß der Silberpfeil, dessen Vorbild ja aus den 50er Jahren stammte, sich nicht so gut verkaufte wie die damals ja aktuellen Nachbildungen von Ford GT40, Ferrari Dino und Lotus 40, deren Vorbilder ja allesamt in den 60ern noch auf den realen Rennstrecken zu sehen waren

Die Einstellung des Porsche Carrera 6 als Bausatzmodell im Jahr darauf war aufgrund der oben dargelegten Nachteile bedingt durch die schwerere Spritzgußkarosserie nicht weiter überraschend; wie oben bereits dargestellt, wurde dieses Modell aber mit unveränderter Karosserie weiter als Fertigmodell produziert und dürfte zusammen mit dem ihm 1967 zur Seite gestellten Ferrari Dino zum bekanntesten Carrera-Auto überhaupt geworden sein.

 

Zurück          Weiter

Home   Modellautos   Autorennbahn   Michel Vaillant   Links   Impressum   Datenschutz