Home_banner800schmal1
C124banner

Beim Namen des neuen Systems entschied man sich, den Doppelpunkt bei der bisherigen Bezeichnung “Carrera 1:24” einfach wegzulassen; das System hieß fortan einfach “Carrera 124”; die drei Ziffern prangten fortan großformatig neben dem Carrera-Logo auf den Kartons der Grundpackungen, Schienenteile und Autos. Auch bei den Bausatzmodellen, die weiterhin in den ansprechenden Kartons ausgeliefert wurden, verschwand der Doppelpunkt in der Bezeichnung, mit ihm allerdings leider auch nach und nach die Klappdeckel mit den Vorbildfotos auf der Innenseite.

Zur Abgrenzung zum bisherigen “Carrera-System” hatte dieses bereits den Zusatz “Universal” erhalten, der dann in den 1970er Jahren noch zu Carrera 132 Universal erweitert wurde, um auch bei diesem System keine Unklarheiten über den Maßstab aufkommen zu lassen.

Die Grundpackungen der Carrera 124 wurden zu Anfang ausnahmslos mit dem berühmten Duo Porsche Carrera 6 und Ferrari Dino ausgestattet. Die Vorbilder dieser beiden Modelle waren durch das 1000 km-Rennen auf dem Nürburgring im Jahre 1966 jedem Motorsportbegeisterten in Deutschland ein Begriff. Wie bereits erwähnt, verfügten die ersten Grundpackungsautos noch über das von den Bausätzen her bekannte Rennchassis, wurden aber alsbald mit dem aus diesem Rennchassis entwickelten Fertigmodell-Standardchassis, welches weniger Einstellmöglichkeiten bot, ausgerüstet. Durch eine in drei verschiedene Positionen einzubauende Vorderachse konnte der Radstand variiert und das Standardchassis lange Jahre unter viele verschiedene Karosserien montiert werden, Ausnahmen gab es nur bei den Formelfahrzeugen und den Ende der 1970er Jahre erschienenen VW Golf.

carrera_wohnz

Zeitgeist der 1960er: Das Wohnzimmer als Schauplatz von spannenden Modellautorennen. Auch Mutti hat ihren Spaß! Bild aus dem Carrera-Katalog 1967

Abgesehen von den “Grundpackungsautos” Carrera 6 und Dino (die es jedoch auch einzeln zu kaufen gab) waren die neu erschienenen Fertigmodelle der Carrera 124 allesamt mit Lexankarosserien ausgestattet. Wer sich nicht an die Bausätze heranwagen konnte oder wollte, dem bot sich nun die Möglichkeit, seine 124er Heimbahn mit Modellen wie Cobra Daytona, McLaren Elva, Ferrari GTO oder Cobra Roadster zu ergänzen.

rz

Auch aus dem 1967er-Katalog: Ein Muster des ersten Rundenzählers. Um die Rundenzähler auch bei vierspurigen Strecken nebeneinander in die Bahn einbauen zu können, wurde letztlich aber doch eine andere Bauform (siehe Bild unten) produziert.

Das Fahrzeugprogramm wurde in den Folgejahren immer mehr ausgeweitet. Neben Prototypen wie Lola T70, Ford 3Ltr, Ferrari 312P und  512, Porsche 908, 917 und 936 gab es auch Formel 1 und Formel 2-Rennwagen sowie Tourenwagen wie Ford Capri, BMW CSL-Coupé und Porsche 911 RSR Turbo. Auch Straßenfahrzeuge wie z.B. der äußerst beliebte VW-Porsche 914 oder Einsatzfahrzeuge mit funktionierendem Blaulicht wie Notarzt- und Polizeifahrzeug auf Basis des BMW 3.0 CSL waren im Sortiment zu finden. Eher skurril muteten Exoten wie BMW Turbo oder Stratos-Studie an, deren Vorbilder weder auf einer Rennstrecke noch auf der Straße zu finden waren; es handelte sich hier um Designstudien der Automobilindustrie.

K_76-77_s063

Bild aus dem Katalog 1976/77

Waren es in den Anfangsjahren noch fast ausschließlich Lexanfahrzeuge, die angeboten wurde, wandelte sich dieses Bild doch Anfang der 1970er Jahre deutlich. Neue Modelle wurden mehr und mehr mit Spritzgußkarosserien versehen, die alles in allem doch stabiler waren und die etwas rauhe Behandlung im Renneinsatz oder absichtlich herbeigeführte Unfälle durch sensationslustige Kinder besser überstanden. Besonders die anfällige Befestigung der Lexankarossen durch seitlich in das Chassis eingesteckte Klammern, deren Befestigungslöcher in der Karosserie sehr schnell ausrissen, führte wohl das eine oder andere Male dazu, daß die Karossen sich im Renneinsatz lösten und das Chassis hüllenlos alleine weiterfuhr. Vielleicht war es auch der nachlassende Fokus auf die professionellen Modellrennbahnsportler und die Hinwendung zum Heimbahnfahrer, die zum Auslaufen der Lexan-Karosserien führte. Optisch konnten mit den Hartplastikkarosserien ansprechendere Modelle gefertigt werden und auf die letzten zehntel Sekunden kam es im Heimbahnbereich nicht so sehr an, so daß die Vorteile des Lexan die materialbedingten Nachteile nicht mehr ausgleichen konnten.

Lange Jahre im wesentlichen unverändert blieb das Sortiment der Bausätze. Auch wenn die Fahrzeuge inzwischen als “Heimbahn-Bausatz” bezeichnet wurden, war es doch die Zielgruppe der professionelleren Clubfahrer, die mit diesen Artikeln angesprochen werden sollten. Und die wurden immer weniger, weil der Boom des Slotracing schon Ende der 1960er Jahre wieder vorbei war. Der Sport hatte sich, ganz wie das große Vorbild, zu einer gnadenlosen Materialschlacht mit einer sich immer schneller drehenden Kostenspirale entwickelt, die mehr und mehr Anhängern das Hobby einfach vergraulte, weil sie aus finanziellen Gründen einfach nicht mehr mithalten konnten oder wollten. Eine kleine Zahl von High-Tech-Enthusiasten blieb übrig, die zwar über sündhaft teuere Automodelle mit Hochleistungs-Präzisionsteilen verfügten, aber keine Gegner mehr hatten, gegen die sie fahren konnten. So schnell wie Anfang und Mitte der 1960er die Rennzentren entstanden waren, so schnell verschwanden sie auch wieder.

Dem System Carrera 124 tat diese Entwicklung noch keinen Abbruch. In der ersten Hälfte der 1970er Jahre wurden noch gute Umsätze erzielt, die zwar nie an die der kleineren und preisgünstigeren Carrera 132 Universal heranreichten, aber zumindest ausreichenden Ertrag erbrachten, um das Sortiment stetig auszubauen. Zwar blickten die Anhänger der Carrera 124 manchmal neidisch auf das Sortiment der Universal, in dem beliebte Autotypen als Modell in größerer Anzahl und auch zeitlich eher erschienen, aber mit Form- und Farbneuheiten wurde auch die 124 jährlich ergänzt.

 

Zurück          Weiter

Home   Modellautos   Autorennbahn   Michel Vaillant   Links   Impressum   Datenschutz