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Ab 1983 war die 124 aus den Carrera-Katalogen verschwunden, ein Jahr später auch die Universal. Bei Carrera versuchte man wohl, das in finanzielle Schieflage geratene Unternehmen durch eine Straffung des Produktprogramms wieder auf Kurs zu bringen und opferte die gegenüber dem Servo-System veralteten und aufwendig zu produzierenden spurgebundenen Bahnen. Diese wurden durch Carrera “Profi” ersetzt, einer im Maßstab 1:40 produzierten, recht schlicht wirkenden Bahn, die ich aber nie ernsthaft als Alternative zu meiner 124 gesehen hatte; zu billig und primitiv wirkten Autos und Bahnstücke, kein Vergleich zu den detaillierten und aus vielen Einzelteilen bestehenden 124ern. In dieser Zeit kam es, wie oben schon gesagt, hauptsächlich darauf an, die Spielwarenläden zu günstigen Preisen von ihren Restbeständen zu “befreien”.

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1986: Eltern im Urlaub, also flugs die Carrera-Bahn im Wohnzimmer aufgebaut!

Es wurde also etwas ruhiger um das Hobby, Nachschub an Neuheiten gab es nicht mehr und so konnte man nur noch auf halbjährlich stattfindende “Börsen”termine warten, um das ein oder andere Modell zu erwerben. Meine Bahnstücke und die Autos verschwanden im Kleiderschrank, in dem extra eine Sektion für die kostbaren Kleinode abgetrennt war. Schließlich sollten die Modelle vor Staub und Sonnenlicht geschützt aufbewahrt werden und kamen nur noch zu besonderen Anlässen aus ihren Boxen auf die Bahn. Dieser Kleiderschrank war natürlich das bevorzugte Objekt für neugierige Nachbarskinder, die gerne zu uns kamen und natürlich mit großen Augen nachfragten, ob sie nicht einmal “Carrerabahn fahren” könnten.

Ließ ich mich nach vielen Bitten dann überreden, eine kleine Bahn aufzubauen, stand ich nervös daneben und fürchtete um meine guten Autos, obwohl ich den Kindern eingeschärft hatte, ja langsam zu fahren und war heilfroh, später wieder schnell alles wegpacken zu können. Ich werde damals schon von den lieben Kleinen als merkwürdiger Kauz eingeschätzt worden sein, der das schönste Spielzeug hatte, aber nur zufrieden war, wenn er es wieder im Schrank verstauen konnte.

Im Jahre 1989 bekam ich dann, wieder einmal bei “Spielwaren Danhausen” vor Ort, zu meiner Überraschung einen DIN A4-Hochglanzprospekt in die Hand gedrückt.

Auf dem Titel der altbekannte Carrera-Schriftzug mit dem Zusatz “Exclusiv 1:24”. Carrera hatte unter dem neuen Eigentümer tatsächlich die 124 unter neuem Namen auferstehen lassen. Obwohl die Modelle, alles Neuauflagen alter 124er Fahrzeuge, von der Optik nicht an die “Originale” heranreichten, kaufte ich mir bei Verfügbarkeit auch die neuen Exclusiv-Autos. Ende der 80er Jahre war ich schon froh, überhaupt etwas von Carrera im Maßstab 1:24 zu bekommen. Die einschlägigen Spielwarenläden hatten nichts mehr und ebay gab es noch nicht. Auf Börsen war damals auch nicht allzuviel zu finden, so daß das eigentlich zum Erliegen gekommene Hobby durch die Exclusiv einen neuen Anschub bekam.

 

Die 90er: Meine “Großanlage”

1992 zogen wir, inzwischen Eltern von 2 Kindern, in ein größeres Haus. Interessant war für mich vor allem der große, ausgebaute Dachboden, der für eine Carrera-Bahn wie geschaffen war. Dort war Platz für die mehr als 40 m Bahnmaterial, welches ich inzwischen besaß. Auch Gebäude wie Tribünen, Boxen und Pressetürme hatten wir inzwischen in diversen Läden erstanden, nicht nur von Carrera, sondern auch die alten schönen Herpa-Bausätze waren aus Ladenräumungen günstig zu haben gewesen. Nur meine Herpa-Boxe, die 1968 unterm Weihnachtsbaum stand, war leider nicht dabei.

Autorennbahnen waren zu dieser Zeit vollkommen aus der Mode geraten. Carrera stellte nur noch billigen Schund her, auch die Exclusiv konnte nicht halten, was man sich von ihr versprochen hatte, der Markt war praktisch tot. Ich hing nach wie vor an meiner Carrera 124, sie verkörperte schöne Kindheitserinnerungen für mich, die ich mir mit diesem Spielzeug erhalten wollte.

Jetzt endlich konnte ich die Bahn einmal in ihrer vollen Größe aufbauen. Genaugenommen bestand die Bahn aus zwei separaten Strecken, die nur mittels einer Hängebrücke gekreuzt wurden. Man konnte also mit 4 Autos gleichzeitig fahren, aber fuhr auf zwei verschiedenen Bahnen mit unterschiedlicher Streckenlänge und anderem Streckenverlauf sowie jeweils eigenem Rundenzähler. Auf den ersten Blick wirkte es aber wie eine zusammenhängende große Autorennbahn.

Auch wenn ich die Bahn heute so nicht mehr aufbauen würde: Optisch wirkte sie durch die Vielzahl an Gebäuden und Figuren, Bäumen usw. durchaus eindrucksvoll. Das bestätigten auch alle Besucher, die sich diese Anlage ansahen. Fahrerisch war sie nicht so reizvoll, das machte aber nichts, da ich mit meinen Autos sowieso schon lange keine Rennen mehr fuhr und es mir mehr auf den optischen Eindruck ankam. Das war schon nahe an den von mir so bewunderten Fotos in den Katalogen. Einzig den Untergrund hätte ich noch mit einem Rasenteppich gestalten sollen, statt die Bahn auf dem wenig attraktiven rotbraunen PVC-Boden aufzubauen, der auf dem Dachboden verlegt war.

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Die Anlage 1992 auf dem ausgebauten Dachboden in ihrer ganzen Pracht: Sah spektakulär aus, war aber vom Fahrvergnügen her nicht unbedingt optimiert.

Ende 1995 zogen wir erneut um. Das Haus mit dem großen Dachboden hatte außer diesem nicht sehr viele Annehmlichkeiten zu bieten, so daß wir uns zu diesem Umzug entschlossen. Das neue Haus lag zwar in einer wesentlich ruhigeren Gegend, hatte einen schönen großen Garten, aber keinen großen Dachboden für eine Carrera-Bahn. Also wurde die ganze Anlage wieder verpackt und in Schränken im Keller verstaut. Dieser Keller war mein neuer Hobbybereich; er war jedoch nicht ausreichend, um die Bahn in ihrer vollen Größe aufzubauen und mußte darüber hinaus noch als Raum für unsere alte Wohnzimmereinrichtung dienen, da wir uns eine neue gekauft hatten. Ein Bekannter, den ich Anfang der 90er Jahre im Krankenhaus bei der Geburt unseres zweiten Sohnes kennengelernt hatte (unsere Frauen lagen im gleichen Zimmer) und der auch Carrera-Anhänger war, hatte das Hobby inzwischen gänzlich aufgegeben und alles verkauft; er war inzwischen zur Fraktion der funkferngesteuerten Modellautos gewechselt.

Ich hatte keinen Gleichgesinnten mehr, der die Begeisterung für Carrera mit mir teilte und keinen Platz mehr, um die Bahn wie vorher aufbauen zu können. Aber ich nahm mir fest vor, alles gut verpackt aufzubewahren; zu viele Kindheits- und Jugenderinnerungen waren mit der Carrera-Bahn verbunden.

 

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