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Die 80er: Das Ende von Carrera 124
Anfang der 80er Jahre geriet Carrera in finanzielle Schwierigkeiten, die mit der Produktionseinstellung der einstmals so populären Serien Carrera Universal und Carrera 124 und dem Konkurs der Firma 1985 endeten.
Ich hatte inzwischen eine Freundin (mit der ich heute verheiratet bin!), die meinen Carrera-Wahn zwar nicht teilte, aber immer mit dabei war, wenn es darum ging, neue Teile für die Bahn aufzutreiben. Waren es anfangs noch Flohmärkte, auf denen man vornehmlich Kindern Bahnstücke und mehr oder weniger gut erhaltene Autos für kleines Geld abkaufen konnte, so konzentrierten wir uns nach dem Konkurs von Carrera darauf, Spielzeugläden der näheren Umgebung nach Material abzusuchen, da die Händler die “Auslaufware” möglichst schnell aus den Lagern bekommen wollten. Ich hatte ja schon den Führerschein und seit 1984 auch ein Auto und so konnten wir im Raum Aachen-Mönchengladbach-Köln schon die ein oder andere Tour zu Spielwarenläden unternehmen, wenn denn genug Geld für Carrera und vor allem das Benzin für das Auto da war!
Schon 1985 mußte meine Freundin den Aufbau von Carrera-Anlagen in ihrem Zimmer erdulden
In einem Laden in Stolberg, der inzwischen längst nicht mehr existiert, war zwar kein Carrera-Material mehr aufzutreiben, man sagte mir aber zu, noch ein “neues” Modell des Systems 124 bei Carrera bestellen zu können. In der Hoffnung, bei diesem Auto handele es sich um den im letzten Katalog abgebildeten 124er BMW M1, bestellte ich das Fahrzeug.
Nach ca. 2 Wochen und einigen Anrufen bei dem Laden war es dann soweit: Ich konnte mein Modell abholen! Es war aber leider nicht der M1 (der ist in der 124er-Reihe gar nicht mehr produziert worden) sondern der altbekannte Porsche 911 RSR Turbo. Neu an dem Fahrzeug war nur, daß er über keinen Fahrereinsatz mehr verfügte, dafür über dunkelblau getönte Scheiben, um eben diesen fehlenden Fahrereinsatz zu kaschieren und darüber hinaus noch mit den Felgen des BMW 3.0 CSL und einer roten Karosserie ausgestattet war.
Es schien so, als habe man bei Carrera zusammengesucht, was noch an verwertbaren Teilen da war und daraus dann dieses Modell zusammengebaut.
Wenn auch alles andere als der optische Höhepunkt der Serie dürfte der Porsche mit der Artikelnummer 40642 aber damit auch das letzte offiziell von Carrera ausgelieferte Modell des Systems 124 gewesen sein.
Diesmal in meinem Zimmer: Der letzte Porsche 911 RSR Turbo (links) mit seinem Schwestermodell in Wrangler-Ausführung
1986: Eltern im Urlaub, also flugs die Carrera-Bahn im Wohnzimmer aufgebaut!
Ab 1983 war die 124 aus den Carrera-Katalogen verschwunden, ein Jahr später auch die Universal. Bei Carrera versuchte man wohl, das in finanzielle Schieflage geratene Unternehmen durch eine Straffung des Produktprogramms wieder auf Kurs zu bringen und opferte die gegenüber dem Servo-System veralteten und aufwendig zu produzierenden spurgebundenen Bahnen. Diese wurden durch Carrera “Profi” ersetzt, einer im Maßstab 1:40 produzierten, recht schlicht wirkenden Bahn, die ich aber nie ernsthaft als Alternative zu meiner 124 gesehen hatte; zu billig und primitiv wirkten Autos und Bahnstücke, kein Vergleich zu den detaillierten und aus vielen Einzelteilen bestehenden 124ern. In dieser Zeit kam es, wie oben schon gesagt, hauptsächlich darauf an, die Spielwarenläden zu günstigen Preisen von ihren Restbeständen zu “befreien”.
Es wurde also etwas ruhiger um das Hobby, Nachschub an Neuheiten gab es nicht mehr und so konnte man nur noch auf halbjährlich stattfindende “Börsen”termine warten, um das ein oder andere Modell zu erwerben. Meine Bahnstücke und die Autos verschwanden im Kleiderschrank, in dem extra eine Sektion für die kostbaren Kleinode abgetrennt war. Schließlich sollten die Modelle vor Staub und Sonnenlicht geschützt aufbewahrt werden und kamen nur noch zu besonderen Anlässen aus ihren Boxen auf die Bahn. Dieser Kleiderschrank war natürlich das bevorzugte Objekt für neugierige Nachbarskinder, die gerne zu uns kamen und natürlich mit großen Augen nachfragten, ob sie nicht einmal “Carrerabahn fahren” könnten.
Ließ ich mich nach vielen Bitten dann überreden, eine kleine Bahn aufzubauen, stand ich nervös daneben und fürchtete um meine guten Autos, obwohl ich den Kindern eingeschärft hatte, ja langsam zu fahren und war heilfroh, später wieder schnell alles wegpacken zu können. Ich werde damals schon von den lieben Kleinen als merkwürdiger Kauz eingeschätzt worden sein, der das schönste Spielzeug hatte, aber nur zufrieden war, wenn er es wieder im Schrank verstauen konnte.
Im Jahre 1989 bekam ich dann, wieder einmal bei “Spielwaren Danhausen” vor Ort, zu meiner Überraschung einen DIN A4-Hochglanzprospekt in die Hand gedrückt.
Auf dem Titel der altbekannte Carrera-Schriftzug mit dem Zusatz “Exclusiv 1:24”. Carrera hatte unter dem neuen Eigentümer tatsächlich die 124 unter neuem Namen auferstehen lassen. Obwohl die Modelle, alles Neuauflagen alter 124er Fahrzeuge, von der Optik nicht an die “Originale” heranreichten, kaufte ich mir bei Verfügbarkeit auch die neuen Exclusiv-Autos. Ende der 80er Jahre war ich schon froh, überhaupt etwas von Carrera im Maßstab 1:24 zu bekommen. Die einschlägigen Spielwarenläden hatten nichts mehr und ebay gab es noch nicht. Auf Börsen war damals auch nicht allzuviel zu finden, so daß das eigentlich zum Erliegen gekommene Hobby durch die Exclusiv einen neuen Anschub bekam.
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